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REPORTAGEN
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19.01.2012  |  UNTERWEGS IM LÄNDLE (193): Koffertheater

 Knapp 40 Zentimeter breit, 50 Zentimeter lang und 15 Zentimeter hoch: Aufgeklappt ist der Koffer für Christine Kümmel eine Theaterbühne. Mit mehreren Bühnenbildern erweckt die Anfang-Fünfzigerin in Herrenberg das Märchen vom Rumpelstilzchen zum Leben. „Im Puppentheater haben sie im Gegensatz zum Menschentheater die große Chance, viel mehr Bilder herzustellen“, sagt Kümmel. Seit knapp zehn Jahren betreibt sie die kleinste Puppenbühne in Baden-Württemberg
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03.12.2011  |  Adventsgeschichten11-03: Barbaratag in Eisenerz

Es ist empfindlich kalt. Bergleute in Jahrhunderte alten Festuniformen steigen die vielen Treppenstufen zur Oswaldikirche auf dem Vogelbichl im obersteirischen Eisenerz hinauf: Sie begehen ihren Barbaratag. Obwohl seit 1970 offiziell aus dem liturgischen Kalender gestrichen, verehren weiterhin die Knappen und Stahlkocher diese Schutzpatronin, die ihre Sehnsucht nach Licht unter Tage und an dunklen Hochöfen verkörpert. Unter ihren Stiefeln knirscht der Schnee. Das 8500 Einwohner große Städtchen liegt während der Wintermonate im Schatten des Erzberges. Erst im März beginnt es zu tauen. Im Jahreslauf der Bergleute ist die Zeit um den 4. Dezember, den Gedenktag der Heiligen, ein Einschnitt. Nun fangen die Feierschichten an, Kurzarbeit, weil das mit modernen Maschinen ausgebeutete Roherz auf Halde liegt. Andere können billiger liefern. Kerzen beleuchten die hochgotische Oswaldikirche, benannt nach dem ersten Schutzheiligen der Minenarbeiter. Kristoff Stainmetz meißelte 1517 in die Orgelempore Motive, die an den Erz- und Kohlentransport, an die Radwerke, also vorindustrielle Schmelzöfen, und an die kaiserliche Jagd erinnern. „Wir hoffen, dass die Verantwortlichen einen Ausweg finden“, bitten die beiden Pfarrer in diesem ökumenischen Gottesdienst. Die Kirche unterhalb des 1466 Meter hohen Erzberges erhielt 1532 eine starke Umfriedung – wegen drohender türkischer Einfälle. Sie ist die größte Wehrkirchenanlage in der Steiermark. Sie überstand militärische Angriffe, kann aber die gefährdete Erzgewinnung nicht retten. Noch 1960 rief das „Waberl“, die 1581 gegossene Glocke im Schichtturm am Gradstein, täglich 4800 Menschen zur Arbeit auf diesem riesigen Rohstoffvorkommen, dem Erzberg, bekannt wegen seiner 23 terrassenförmig abgetreppten Etagen. Heute ist der Erzberg ein Frelichtmuseum.
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02.12.2011  |  Adventskalender11-02: Volldampf in Eis und Schnee

Die Kälte kriecht allmählich die Beine hoch. Der Schnee unter den Stiefeln knirscht, „Wann kommt denn endlich die Dampflok, Papa?“, fragt ungeduldig ein kleiner Junge. Der Mann reibt seine Kamera vor dem Bauch. „Bald, mein Sohn“, beschwichtigt er. An einer Kurve kurz vor Schmalzgrube mitten im sächsischen Erzgebirge wartet der Mann im Tiefschnee. „Brr, ist das kalt“, seufzt er. „Schon eine halbe Stunde – und der Zug ist immer noch nicht da!“ Auch im tiefsten Winter, dann wenn die Eiszapfen schon lang sind und die Dieselautos nicht mehr anspringen, schnauft die Preßnitztalbahn durch das Tal: Jöhstadt-Steinbach hin und zurück. Vollbesetzt mit Anhänger nostalgischer Dampfzüge, die trotz der Minusgrade ihren Kopf aus dem Fenster recken, um ja die Bahn in einer Kurve zu erwischen. Vorausgesetzt, eine Qualmwolke legt sich nicht auf einen der historischen Waggons und versperrt die Sicht. „Weißt Du, mein Junge“, spricht der Mann weiter. „Jetzt sind wir extra aus Chemnitz hergekommen, um diese Winterromantik zu erleben. Im ,Sachsenspiegel’ haben sie darüber berichtet.“ Der Junge schaut hoch, zieht sich seine Zipfelmütze noch tiefer ins Gesicht. „Aber mir ist soooo kalt.“ Plötzlich ist ein Klingen zu hören, ein Schnaufen. Hinter einigen verschneiten Bäumen bahnt sich die Lok ihren Weg auf dem nur 75 Zentimeter breiten Gleis. „Jetzt kommt sie“, muntert der Vater auf. Ratternd, polternd, ja fast vibrierend hämmert die Lok mit den Waggons vorbei. Der Vater knipst, knipst, knipst. Noch mal ein Pfeifton – und schon verschwindet der Zug hinter der nächsten Kurve. „So, jetzt ins Auto. Zur nächsten Station! Wir wollen mit fahren.“ Bis Schmalzgrube, einem Haltepunkt auf der auf acht Kilometer Länge wieder in Betrieb genommenen Museumsbahn, vollführt der Wagen auf der vereisten Straße einige zusätzliche Rutscher. Am Bahnhof ist fast kein Parkplatz mehr zu finden: Alle warten auf den Zug. „Ja, das hier ist die schönste Museumsbahn“, sagt der Bahnhofsvorsteher. „Wir alle sind Liebhaber. Denn 1986 wurde diese Strecke sang- und klanglos stillgelegt. Nicht mehr rentabel – keine Abschiedsfeier, nischt!“
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01.12.2011  |  Adventgeschichten11-01: Countdown zur Bescherung

Für Kinder beginnt jetzt die aufregendste Zeit des Jahres. Denn die Adventszeit steht vor der Tür. Noch 24 Tage bis Heiligabend, der Countdown ist angelaufen. Ein Mittel, die Zeit bis zur Bescherung zu überbrücken, sind Adventskalender. Als Wiege dieser verspielten Zeitmesser gilt der Richard Sellmer Verlag in Stuttgart. „Wir sind der einzige Verlag, der sich darauf spezialisiert hat“, sagt die Verlagssprecherin Annette Sellmer. „Der Verlag besteht seit 1946“, erzählt sie. Vor ihr auf dem Tisch eine kleine Auswahl ihres Angebots. „Etwa 100 haben wir im Angebot.“ Im Durchschnitt etwa 30 auf 40 Zentimeter groß, bunte Abbildungen. Beschauliches, verträumtes, manchmal schon rührselig. „Viele verbinden mit Weihnachten Kitsch, die gute, alte Zeit und so will man die Adventskalender.“ Als Richard Sellmer sein Unternehmen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gründete, hieß es zu improvisieren. „Im Prinzip begann es im Wohnzimmer.“ Mit dem Prototyp – die kleine Stadt – im Handgepäck machte er sich auf zur Frankfurter Messe, knüpfte Kontakte nach Amerika. Nach den turbulenten Kriegsjahren war dies endlich wieder ein positives Signal aus Deutschland. Eigentlich ist der Adventskalender älter. Es gibt sogar einen richtigen Forscherstreit. Einige Quellen nennen das Jahr 1851, als der erste Kalender selbst gebastelt wurde. Andere das Jahr 1902, als ein evangelischer Verlag in Hamburg eine Adventsuhr herausgab. Wieder andere 1908, als der schwäbische Pfarrersohn aus Maulbronn, Gerhard Lang (1881-1974), 24 farbenprächtige Zeichnungen drucken ließ. Er hieß „Im Lande des Christkinds“. Damals konnten aber noch keine Türchen geöffnet werden. „Was definitiv stimmt, weiß man nicht“, sagt Annette Sellmer. Der große Durchbruch gelang dem Verlag im Jahre 1955. Damals bekam der damalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower (1890-1969) einen besonderen Adventskalender geschenkt: mit dem Weißen Haus in Washington, mit Cowboys, Hubschraubern, Zeitungsjungen, Halloween-Kürbissen, auch mit Indianern in einer verschneiten Landschaft. Als der White-House-Kalender vor einigen Jahren wieder aufgelegt wurde, bedankte sich der damalige Präsident Bill Clinton. „Da kam sogar eine Weihnachtskarte zurück“, strahlt die Sprecherin.
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24.11.2011  |  UNTERWEGS IM LÄNDLE (1..): Atelier Brückner

Der Besuch eines Museums muss im 21. Jahrhundert unter die Haut gehen. „Es geht uns immer um die Inszenierung von Räumen“, sagt Uwe R. Brückner. „Wie ich den Inhalt gestalte, um Szenografie.“ Der Chef des Ateliers Brückner gestaltet mit seinem Team mit modernsten Medien neben Museen auch Ausstellungen und Messen. Besprechung in den Gebäuden eines ehemaligen Fabrikgeländes in Stuttgart-Bad Cannstatt: Gemeinsam mit Shirin Frangoul-Brückner und einer Projektbeteuerin steht der Kreativdirektor vor dem Modell des Darwineum, einem neuartigen Besucherzentrum für den Rostocker Zoo. „August 2012“, sagt Shirin Frangoul-Brückner, „soll es fertig sein. Hat man uns gesagt.“ Das neue etwa 50 Meter lange Affenhaus wird in eine Geschichte der Evolution eingebettet, ganz im Sinne des britischen Naturforschers Charles Darwin (1809-1882). „Im Eingangsbereich geht es einmal durch das Erdzeitalter“, erklärt Catherine François. In den Kojen gibt es Dioramen und Tiere wie den Schlammspringer, die aus dieser Zeit stammen können. Oder ein Korallenriff. Vom Big Bang in die Gegenwart. Danach gehen die Besucher zwischen Gorillas und Orang-Utans in den dritten Abschnitt durch. Dort geht es um Stammzellenforschung, wie die Menschen mit der Zukunft umgehen können. „Das ist ein neues Konzept, Ausstellung mit lebenden Tieren zu verbinden“, sagt die Projektbetreuerin François. „Finde ich spannend.“ Der Zoo bietet damit eine Schlechtwetteralternative an. Das Darwineum ist nur einer der Aufträge.
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